Gute Videospiele sind höchst motivierend. Sie fesseln den Spieler und nicht selten kann man in solchen Spielen viele Stunden verbringen. Ich persönlich versuche mir deshalb immer genau zu überlegen, wann ich ein solches Spiel anfangen sollte, das Risiko in der Spielwelt zu versinken ist einfach zu groß. Aber wie gelingt es Spielen, den Spieler dermaßen zu fesseln?

Ich habe mir folgende Fragen gestellt:

  1. Wie kommt es, dass manche Spiele regelrecht süchtig machen?
  2. Warum machen manche Spiele mehr Spaß als andere?
  3. Werden alle Menschen gleichermaßen von Spielen gefesselt?

Nachfolgend will ich diese Fragen aus meiner persönlichen Sicht beantworten. Zuerst glaube ich, dass Spiele süchtig machen können, weil es in der menschlichen Natur liegt gerne zu spielen. Spielverhalten ist, und das gilt auch für Tiere, keineswegs nutzloser Selbstzweck. Durch das Spielen werden Kompetenzen geschult und entwickelt. Sehr gut lässt sich das bei Katzen erkennen: Durch das Jagen (beispielsweise eines Lichtpunktes) trainiert die Katze Jagdverhalten und dieses Training ist für Katzen ungemein wichtig und alltagsrelevant. Ich vermute, dass bei Videospielen ähnliche Mechanismen greifen, nur stellt sich immer die Frage, was mit einem Spiel genau trainiert wird und ob es Sinn macht das zu trainieren. In Ego-Shootern kann beispielsweise geübt werden, schnell und präzise zu reagieren. Empirisch konnte eine Verbesserung der visuellen Aufmerksamkeit festgestellt werden, die unter anderem für das Fahren im Straßenverkehr als vorteilhaft gilt (Green, Pouget & Bavelier, 2010).

Bleiben wir doch noch kurz bei dem Genre der Egoshooter, während wir zur zweiten Frage kommen: Manche Spiele machen mir mehr Spaß als andere. Doch woran liegt das? Mir fallen folgende Einflussfaktoren ein:

  • Manche Spiele sind mir zu schwer, andere zu leicht. Ich bevorzuge Spiele die mich fordern, aber nicht überfordern.
  • Spiele müssen nicht technisch anspruchsvoll sein, aber sie sollten durchdacht sein sowie technisch und spielerisch flüssig funktionieren.
  • Manche Settings faszinieren mich mehr als andere. Die Sims haben mich, obwohl super umgesetzt, nicht wirklich gepackt, die Dungeon-Aufbausimulation Dungeon Keeper hingegen schon.
  • Manche Genres interessieren mich mehr als andere. Für Adventurespiele fehlt mir oft die Geduld und Spiele mit zu viel Mikromanagement überfordern mich. Strategie-, Casual und Actionspiele liegen mir eher.
  • In manchen Spielen werde ich Teil der Geschichte, versinke in der Handlung und kämpfe an der Seite der Helden. Bei anderen empfinde ich die Handlung als uninteressant oder überflüssig. Ein gutes Beispiel für eine sehr gelungene Story ist Mass Effect 2.
  • Manchen Spielen gelingt es durch Humor zu fesseln. Hier fallen mir die ausgefallenen Behandlungsmethoden in Theme Hospital ein, ebenso wie die völlig abgedrehte Rahmenhandlung eines Blood Dragon.

Es gibt sicher weitere Faktoren, in denen sich gute von schlechten Spielen unterscheiden. Doch selbst die (laut Testberichten) besten Spiele stoßen bei verschiedenen Personen auf unterschiedlich großes Interesse. Meiner Erfahrung nach liegen Computerspiele nicht jedem Menschen, manche haben einfach kein größeres Interesse am Spielen.

Damit befinden wir uns bei der dritten Frage: Offensichtlich werden nicht alle Menschen gleichermaßen von Videospielen gefesselt. Ich persönlich kann kaum nachvollziehen, warum man Videospiele nicht mögen sollte. Deshalb will ich mich hier auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und Gründe erfinden. Ich wäre aber sehr interessiert zu hören, welche Gründe Nichtspieler erwidern!

Für mich gibt es jetzt trotzdem einen guten Grund, Videospiele erst mal zu meiden: Für das Schreiben meiner Masterarbeit sind sie vermutlich eher hinderlich. Eine recht umfangreiche Studie über den Zusammenhang von Gaming und akademischer Leistung fand leider (ich wünschte, es wäre anders) ausschließlich negative Effekte (Ip, Jacobs & Watkins, A., 2008). Mit anderen Worten: Ich sollte wohl erst nach der Masterarbeit wieder spielen!


Green, C. S., Pouget, A., & Bavelier, D. (2010). Improved probabilistic inference as a general learning mechanism with action video games. Current Biology : CB, 20(17), 1573–1579.
Ip, B., Jacobs, G., & Watkins, A. (2008). Gaming frequency and academic performance.Australasian Journal of Educational Technology, 24(4), 355-373.
Bildnachweis: Xbox One Controller von Mack Male CC BY-SA 2.0
Warum motivieren Videospiele?

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